Interview und Vita von Josef Greiner

Maler und Bildhauer in Hamburg

Vita: Josef Greiner

Bildhauer / freischaffender Künstler

Geboren in München
Lebt und arbeitet in Hamburg
Kunststudium FIU Hamburg
Malerei, Bildhauerei bei Karin und Wolfgang Genoux
1990 / 1991 Abschlußarbeit, Betonfigur sitzend 178 cm
1991 – 1997 Arbeitsschwerpunkt Malerei verbunden mit
Studienreisen in den Orient, Skandinavien und Great Britain
1993 – 1997 Filmprojekt GENIX
1996 – 2012 Arbeitsschwerpunkt Upcycling Kunst, Möbelskulpturen
2012 – 2016 erweiterte räumliche Objektkunst und weitere Möbelskulpturen
1997 Erste große Einzelausstellung im Boulevard der Spitze
2003 – 2009 Ebene +14 Kunststiftung City Nord
2003 – 2022 Studio & Galerie ShrineArt Hamburg

Philosophie

Josef Greiner studierte an der FIU Hamburg Malerei und Bildhauerei. Nach seinem Studium entwickelte er Möbelskulpturen, wobei Konzeption (Design) und Ausführung in seiner eigenen Hand liegen.

Arbeiten mit Erinnerungen

“Das Material, Holz und Metall, gesammelte ehemals funktionierende Gegenstände aus Industrie und Maschinenbau, mit dem er arbeitet und der Prozess, die Entstehung der Skulptur, treten in einen Dialog. …. Hier und dort werden informelle, amorphe, biomorphe und organische Elemente eingebaut, so dass die Syntax der Arbeit lebendig ist. Diese Offenheit der Syntax, die Verschiebung der vertikalen, horizontalen und diagonalen Elemente verdeutlich ganz klar den Unterschied zu einem Gebrauchsmöbel, bei dem die Isohypsen (Höhenlinien) festgelegt sind. Als Beispiel der Hochzeitschrein, der mit den Maßen 215 x 120 x 100 cm, innen einen Hohlraum von 1 Kubikmeter aufweist. Aber auch beim Thron (Material u.a. Grabkreuzteile, Nähmaschinenrad, Brotbackbrett, Tür- und Koffergriffe) geht es darum Idee, Material, Proportion und Funktion in Einklang mit der Aussage des entstandenen Objekts zu erbringen. Die Kunstfähigkeit von sogenannten Gebrauchsgegenständen, soll zu einem anderen Rezeptionsverhältnis des “Benutzers” gegenüber jedem gestalteten Objekt führen, das Kostbarkeiten für die menschliche Imagination bergen kann.”
Zitat Prof. C. Böhmler, Hamburg 2008

Interview: Der Bildhauer Josef Greiner

Josef Greiner, geb. 1961 in München
Ausbildung zum Bau – und Möbelschreiner in München
3-jähriges Kunststudium an der FIU – Free International University in Hamburg
Seit 1996 freischaffender Künstler

Möbelskulpturen so nennen Sie Ihre Kunstwerke, was kann man darunter verstehen?

Eine Möbelskulptur ist eine Plastik, meistens mit einem Hohlraum, also ein Korpus. Er besteht aus großen und kleinen Teilen, die sinnvoll miteinander verbunden werden. Teile die für die Konstruktion nicht von Nöten sind, aber trotzdem Bezug auf die Möbelskulptur nehmen, werden in das Gesamtbild mit einbezogen. Die entstehenden Ornamente nehmen immer Bezug auf die ganze Plastik. Jedes Ornament wird bis in das kleinste Detail bearbeitet und die Möbelskulptur damit aussagekräftiger. Es gibt auch Dinge, die auf den ersten Blick vielleicht befremdend auf den Betrachter wirken. Es ist sehr verschieden, viele Gegenstände sind auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen. Je mehr Teile ich an einer Möbelskulptur verwende, je länger ich daran arbeite, um so länger wird auch der Betrachter hinterher brauchen, um diese Möbelskulptur zu erforschen. Für mich sind das alles Teile, oft handwerklich gefertigt teilweise auch industriell, die vom Material oder von der Form her, für mich noch einen Ausdruck beinhalten. Einen Ausdruck beinhalten der zu der Möbelskulptur passt. Ein aufmerksamer Betrachter wird diesen Ausdruck bemerken und die Zusammenhänge verstehen.

Jede Möbelskulptur ist ein Unikat, wie kommen Sie auf diese Ideen?

Ich komme auf die Ideen weil ich gerne sammle. Ich sammle Teile in und aus meiner Umwelt, die ich dann zu einer Möbelskulptur zusammen baue. Beim Finden schon, entsteht oft eine Idee. Sie ist aber nicht unbedingt immer realisierbar weil z.B. die Größenordnung nicht stimmt. Aber diese Teile lagere ich bei mir ein und verwende sie dann für eine passenden Möbelskulptur. Ideen sind genug da, man muss sie natürlich noch ausführen. Die Teile müssen zubereitet werden, d.h. ich reinige sie und verändere sie so, dass sie in die Konstruktion passen. Meine Aufgabe besteht darin diese Teile sinnvoll zusammenzufügen, so dass es ein Ganzes ergibt. Die Schwierigkeiten zu lösen, die während dem Arbeitsprozess entstehen und eine Aussage hineinzulegen, die jede Skulptur individuell und wertvoll macht. Die Inspiration könnte natürlich auch von einem Außenstehenden kommen, aber es hängt immer von den Teilen ab, die zur Verfügung stehen.

Sind Ihre Skulpturen, in ihrer Verwendung, Alltags tauglich?

Absolut, jede Möbelskulptur ist so gearbeitet, dass er benutzbar ist, aber diese Benutzung ist natürlich etwas anderes, als im herkömmlichen Sinne. Wenn man sitzen kann, dann sitzt man heutzutage meistens in einem Sessel oder auf einem Stuhl und gerade diese verschiedenen Sitzhöhen sind für mich interessant. Bei einer Möbelskulptur geht es darum, den Gebrauch bewusster zu machen. Wenn man sich auf den Thron setzen will, geschieht das auf jeden Fall bewusst. Da allein das besteigen dieser Sitzgelegenheit, sich weitestgehend von den anderen Sitzmöbeln unterscheidet. Eine weitere interessante Perspektive, wenn ich an einer Möbelskulptur arbeite, sind unter anderem die Türen. Denn Türen haben einen großen symbolischen Wert. Als Künstler kann ich mich damit befassen, diese Symbolik durch die Funktion bewusst werden zu lassen. Eine Tür muss geöffnet und geschlossen werden können aber wie das geschehen kann, ist variabel. Jedenfalls bei meiner Arbeit. Im normalen Möbelbau sind diese Dinge natürlich vorgegeben. Die Beweglichkeit am einer Möbelskulptur ist etwas anderes, hier kann ich ungewöhnliche Lösungen finden und damit den Benutzer seine Handlung bewusster machen. Die Benutzbarkeit meiner Möbelskulpturen, unterscheidet sich überhaupt von der im herkömmlichen Sinne im Möbelbau vorgegebenen. Sie haben nur ihre Ähnlichkeit durch das Material, dass an Möbel erinnert und Ähnlichkeiten im Gebrauch. Aber es ist ja schon die Frage, ob man einen Thron – ein Möbel nennt? oder einen Altar als einen Tisch bezeichnet? Der Gebrauch ist ähnlich, aber es geht darüber hinaus, dass Ganze wird sozusagen veredelt. Als Künstler finde ich es wichtig, wenn sich Leute z. B. unter regieren (Verwaltung von Macht) und dem Begriff thronen etwas vorstellen können. Auf meinen Vernissagen biete ich das manchmal an, jeder darf sich einmal auf den Thron setzen und seine Wünsche äußern. Natürlich geschieht das in spielerischer Form, aber allein das erhöhte Sitzen und die Möglichkeit Wünsche auszusprechen sind dazu geeignet, einen Gerechtigkeitssinn zu entwickeln. Aber der Gebrauch ist natürlich frei. Jeder setzt sich verschieden darauf und es soll auch frei sein.

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit von der eines Tischlers?

Die Fertigung unterscheidet sich ganz wesentlichen von anderen möbelfertigenden Betrieben, da die Arbeit auch eine ganz andere ist. Die Produktion und das Lager sieht ganz anders aus. Es ist eigentlich kein Vergleich möglich. Es ist eben eine Bildhauerwerkstatt. In dieser Zeit des Materialismus und der industriellen Produktion mit Ihrer Teilherstellung, geht es mir darum, wie die Kunst doch immer darum bemüht ist, das Alles als Ganzes zu sehen, in der Komplexität. Für mich ist es einfach den Produktionsprozess im Ganzen zu gestalten, denn ich fertige einzigartige Stücke. Ich gebrauche nur wenige Maschinen und ich liebe es mit altem Werkzeug zu arbeiten, manches ist schon eine Antiquität. Aber ich finde das toll und meinem Atelier verleiht es einen Charme der ein wenig an ein Museum erinnert, meine Besucher lieben das. Die Arbeit ist abgeschlossen, wenn ich eine Möbelskulptur fertiggestellt habe. Aber dann geht es weiter auf Ausstellungen, in Galerien und zu Unternehmen, in Kirchen oder an einen anderen Ort und immer versuche ich, durch meine Werke, die Menschen durch drei Phasen in einen Denkprozess zu führen. Zuhören – überlegen – verstehen!

Sie versuchen auch den Recycling/ Upcycling – Gedanken in Ihre Arbeit mit einzubeziehen, in welchem Maße findet das statt?

Es ist so, dass ich all mein Material aus der Umwelt sammle. Das was ich finde bestimmt meine Produktion. Die Materie die ich von außen erhalte, wandle ich in meinem Inneren um und es entsteht, es materialisiert sich zu einem neuen Gegenstand, zu einem Kunstwerk, durch meinen Arbeitsprozess. Genauso wie es der Mensch seit ewigen Zeiten tat und immer noch tut. Egal in welcher Form. Ich bin ein Jäger und Sammler, nur das ich es möglichst so machen, dass ich mir nicht mehr nehme, als ich brauche. Das heißt, natürlich spielt der Umweltgedanke immer eine Rolle. Das gedankenlose produzieren von Ware ist eine Verschwendung von Rohstoffen und sollte stark eingeschränkt werden. Wir alle wissen, dass die Ressourcen unseres Planeten beschränkt sind und die nachfolgenden Generationen dies noch zu spüren bekommen. Ein verantwortungsvoller Umgang mit diesen Rohstoffen, sollte der Grundtenor jeder zivilisierten Gesellschaft sein. Gebrauchsgegenstände die gefertigt werden und nach zwei Jahren nicht mehr zu gebrauchen sind erhöhen nur unsere Müllberge. Es darf nicht nur um Stückzahlen gehen sondern es muss auf den Erhalt einer Weltweit gesunden Produktion geachtet werden. Deshalb bestimmt der Recycling / Upcycling – und Umweltgedanke meine Kunst.

Josef Greiner 2007